Ad me ipsum:

"Von außen an einen Text, an eine Oper herangetragene Regiekonzepte sind meine Sache nicht. Spannend ist eine Verlebendigung des Geschriebenen, das Auffinden des "Schmerzes", aus dem heraus der Autor das Werk geschaffen hat. Zusammen mit den Schauspielern oder Sängern den "Glutkern" des Wekes, das Wollen und Drängen des Autors augenfällig zu machen sehe ich als meine Aufgabe als Regisseur. Gelingt es, kommt das Werk automatisch im Hier und Jetzt an und zeigt seine zeitlose Aktualität..."    
                                                                 
                                                                                                                   

Nächste Inszenierungen

DIE SCHÖNE HELENA
Operette von Jacques Offenbach
Theater Erfurt
Premiere am 5. November 2022

 

LA BOHÈME
Oper von Giaccomo Puccini
Badisches Staatstheater Karlsruhe
Premiere am 24. Juni 2023

 

DER VETTER AUS DINGSDA
Operette in drei Akten von Eduard Künneke
Theater Münster
Premiere war am 19. März 2022

 

RIGOLETTO
Oper in drei Akten von Giuseppe Verdi
DEN JYSKE OPERA Aarhus
Premiere war am 9. Oktober 2020

 

 

Ulrich Peters blickt auf zehn gute Jahre als Generalintendant des Theaters Münster zurück

„Es ist gelungen, viele mitzureißen“

Von Harald Suerland

MÜNSTERDr. Ulrich Peters ist nicht mehr Generalintendant in Münster: ein Zustand, den man aufgrund der Pandemie-Situation und der fortdauernden letzten Spielzeit seiner Planung noch gar nicht richtig wahrnimmt. Und doch ist es Zeit für eine erste Bilanz.

Guten Tag Herr Peters, ich muss Sie ja jetzt als unseren Ex-Intendanten ansprechen. Wie klingt das für Sie?
Ulrich Peters: Ist schon sonderbar – zehn Jahre sind eine lange Zeit, und in Karlsruhe passiert es mir dauernd, dass ich von „bei uns“ spreche und damit das Theater Münster meine. Da muss ich aufpassen, kommt nicht immer gut an … Aber ich bin dem Theater und der Stadt einfach nach wie vor sehr verbunden, denn es waren gute, sehr gute Jahre, auch wenn die neue Aufgabe in Karlsruhe und der Umzug in den Süden den Ablöseprozess erleichtert haben.

Die spektakuläre Abschiedssaison, auf die Sie noch im ersten Corona-Jahr hoffen durften, blieb Ihnen versagt. Vermutlich die größte Enttäuschung Ihrer Amtszeit?
Peters: Oh ja, das war und ist extrem bitter. Wir hatten uns, nachdem ich beschlossen hatte, dass nach zehn Jahren Schluss sein muss, so viel für die letzten beiden Jahre vorgenommen. Das meiste ist zerplatzt wie eine Seifenblase. Aber wie sagte schon Brecht: „Mensch, mach nur einen Plan …“. Ich hoffe nur, dass diese letzte Spielzeit einigermaßen unbeschadet über die Bühne gehen kann – die größte Katastrophe wäre, wenn unsere Opern-Uraufführung „Galen“ im Sommer platzen würde. Dieses Werk sollte der Schlussstein des Zehn- Jahres-Puzzle sein.

Mit der Politik in Münster haben Sie bisweilen gehadert, oder? Ich erinnere mich auch an Ihren Unmut darüber, dass das Theater in der Verwaltung nur „ein Amt“ ist. Tickt Münster da anders als andere Städte?
Peters: Ich habe eigentlich nicht mit der Politik gehadert, im Gegenteil. Die Politik hat uns zumeist unterstützt und der Management-Kontrakt, der uns die ganzen zehn Jahre Planungssicherheit gegeben hat, war ein großes Geschenk, um das mich viele Kollegen in anderen Städten beneidet haben. Ich hatte aber tatsächlich Probleme mit der Verwaltung, insbesondere der Bauverwaltung. Es hat doch tatsächlich sieben Jahre gedauert, bis ich endlich meine Probebühne im Jovel hatte, und ich war nur von Verhinderern umgeben. Keiner hat gesagt, komm das machen wir jetzt einfach, weil das Theater dringend eine Probebühne braucht. Und Anfragen beim Immobilienmanagement wurden nicht einmal beantwortet – wie viele meiner Anfragen an die Verwaltung bis heute unbeantwortet blieben. Da half weder die Unterstützung der Politik noch der Kulturdezernentin.

Ein anderes Thema ist Münsters Publikum. Sie haben manchmal über dessen Entscheidungen für oder gegen bestimmte Produktionen gestaunt, sich aber grundsätzlich über dessen Treue und Zustimmung gefreut. Können Sie sich abschließend einen Reim darauf machen?
Peters: Ich glaube, der Westfale an sich und als solcher ist einfach vorsichtig und vor allem im Musiktheater sehr wertkonservativ. An sich eine gute Charaktereigenschaft, aber letztlich glaube ich, die Darstellende Kunst hat hier einen nicht ganz so hohen Stellenwert wie zum Beispiel in München. In Münster sind die Vernissagen voll, und man gibt vielleicht eher für Kunst Geld aus als für Theater. Und natürlich für gutes Essen … Theater kann man nicht mit nach Hause nehmen, und gelegentlich war der Unterhaltungswert von Theater wichtiger als der geistige. Dennoch: Durchschnittlich 200 000 Zuschauer pro Spielzeit sind eine stolze Zahl, und eigentlich lasse ich nichts auf mein Publikum im Theater Münster kommen … Es war ein tolles Publikum, dem ich für das Vertrauen nur danken kann.

Ihre grundsätzliche Strategie war es, sich selbst dem Musiktheater zu widmen und dort große Besucherzahlen zu erzielen, in den anderen Sparten aber den Leitern möglichst große Freiheit zu lassen und etwa das Schauspiel mit der ganz eigenen Handschrift Frank Behnkes ins Gespräch zu bringen. Stimmen Sie dieser Beschreibung zu?

Peters: Ja, absolut. Ich hatte aber auch ein extrem glückliches Händchen bei der Wahl meiner Spartenleiter, ob das nun Frank Behnke, Hans-Henning Paar im Tanz oder Julia Hesse beim Kinder- Und Jugendtheater waren. Wie ich überhaupt sagen kann, dass wir ein tolles Team waren, ergänzt durch Dramaturgen wie Ronny Scholz oder Kathrin Mädler. Ich hatte das Glück, mich mit meinen beiden GMDs, Fabrizio Ventura und besonders Golo Berg, gut zu verstehen, ich hatte eine wunderbare Betriebsdirektorin und eine Verwaltung mit Rita Feldmann an der Spitze, die uns immer unterstützt hat. So ist es uns wohl gelungen, ganz viele im Theater mitzureißen – und viele, von Werkstätten über Bühne, Kostüm, Maske, Ton, Requisite oder, oder fehlen mir schon jetzt sehr.

Sie sind, wie nicht alle, aber viele Theaterchefs, einerseits Manager und Organisator, andererseits als Regisseur Künstler. Was ist bei Ihnen stärker?
Peters: Ich fürchte, mittlerweile zwangsläufig der Manager. Ich inszeniere natürlich immer noch gerne und werde das auch weiter tun, es ist aber auch großartig, eine Art Pontifex Minimus zu sein, der Brücken bauen kann zwischen Künstlern, zwischen Kunst, Technik und Verwaltung oder – am schönsten – zwischen der Kunst und dem Zuschauer. Da kam es in den Jahren zu unglaublich beglückenden Momenten – die ich aber nur ganz alleine fühlen konnte. Wenn etwas so richtig gelungen ist und man stolz auf das ist, was im Team entstand. Oder man einfach aus einer streitenden Gruppe wieder ein Team formen konnte, in dem jeder wieder jedem vertraut hat. Schön!

Das Theater in Karlsruhe hat Sie als eine Art „Feuerwehrmann“ geholt. Wie läuft es denn dort bislang?
Peters: Nach vier Monaten bin ich hier wirklich angekommen. Ich hatte ja keine Vorbereitungszeit und kein Team, deshalb brauchte es eine gewisse Eingewöhnungszeit. Erfreut bin ich darüber, wie viele Mitarbeiter der Ministerien und der Stadt hier regelmäßig ins Theater kommen. Wenn ich da mal jemanden bei der offiziellen Begrüßung vergesse, gibt es lange Gesichter.

Eigentlich wollten Sie ja von Münster aus privat nach Stuttgart wechseln. Was wird aus diesem Plan?
Peters: Das ist ja auch geschehen. Wir sind im Juli umgezogen, mein Hauptwohnsitz ist Stuttgart, was für mich auch dann praktisch ist, wenn mit den Ministerien etwas zu regeln ist. In Karlsruhe habe ich eine kleine Dienstwohnung, und mit dem Zug brauche ich nur eine Stunde zwischen den beiden Städten.

In Münster sind Sie durch die von Ihnen geplante, allerdings Corona-beeinträchtigte Spielzeit gewissermaßen geistig weiterhin präsent. Persönlich auch?
Peters: Ja, denn die Spielzeit ist sozusagen noch auf meinen Mist gewachsen, deshalb komme ich zu den großen Premieren und kann auch statt meiner Spartenleiter die Premieren-Rede halten. Ich stehe auch in einem regelmäßigen Austausch mit einer Nachfolgerin Katharina Kost-Tolmein.

Und Sie können nun gewissermaßen von außen auf die Debatten um den Musik-Campus schauen. Hätte der eigentlich für das Theater irgendwelche Nachteile?
Peters: Nein, überhaupt nicht. Ich halte das nach wie vor für eine sehr gute Idee und sehe bislang auch keinen besseren Standort als die Hittorfstraße. Meine Sorge ist, dass die ganzen Pläne wieder zerredet werden und Münster am Ende wieder ohne Konzertsaal dasteht. Es wird auch so viel ohne gesicherte Zahlen und Fakten diskutiert: Die muss die Verwaltung der Politik liefern.

Wir haben am Anfang von einer Enttäuschung gesprochen, auch das abgesagte Neujahrskonzert war eine – aber wir müssen unbedingt noch von den Höhepunkten ihrer Intendanz sprechen ...
Peters: Ja, es war so schade, dass ich mich nicht vom Publikum verabschieden konnte. Die Frage nach den Höhepunkten habe ich befürchtet: Es ist immer so schade, bestimmte Produktionen zu nennen und andere wegzulassen. „Homo sacer/Sacre“ im Tanztheater war ganz sicher einer, im Schauspiel auf jeden Fall „Platonow“ oder Schillers „Fiesco zu Genua“. Sehr gern denke ich an das Musical „Edwin Drood“ zurück. Und am stolzesten bei meinen eigenen Produktionen bin ich auf „Don Carlo“, die Erweiterung der Verdi-Oper mit dem Requiem Alfred Schnittkes. Auf diese Idee hatten mich Generalmusikdirektor Golo Berg und Dramaturg Ronny Scholz gebracht. Auch wegen solcher Zusammenarbeiten kann ich sagen: Es waren wirklich zehn gute Jahre in Münster.

 

WDR - Nachrichten:

Mehr Besucher im Theater Münster

Der Intendant des städtischen Theaters Münster, Ulrich Peters, scheint ein glückliches Händchen zu haben. Die Besucherzahl ist gestiegen.

Seit Peters' Amtsantritt vor fünf Jahren (2012) erhöhte sich die Zahl der Theater-Besucher um gut neun Prozent - auf mehr als 200.000 im Jahr. Soviele Besucher zählte das Theater zuletzt Anfang der 2000er Jahre. Das geht aus dem jetzt veröffentlichen Jahresabschluss für die vergangene Spielzeit (2015/16) hervor. Die Stadt Münster bezuschusst das Theater mit jährlich rund 19 Millionen Euro.

Stand: 23.06.2016, 16:42

 

HÄNDEL UND HEAVY METAL

Arndt führt ein Theatergespräch mit Dr. Ulrich Peters (September 2014)

Ein milder Augustmorgen in Münster. Die große Flut liegt noch nicht lange zurück. Auch das Stadttheater wurde mächtig nass – drinnen im Orchestergraben ackern die Heiztrockner, und angeblich ist es heiß wie in der Sauna. Dr. Ulrich Peters hingegen wirkt an seinem Schreibtisch im Obergeschoss ganz cool. Und das, obwohl der Intendant mit vielen Bällen jonglieren muss: Die Reparaturen im Blick behalten, mit immer weniger Geld haushalten, die Mitarbeiter bei Laune und den eigenen Kreativmotor am Laufen halten. Denn natürlich inszeniert Peters auch selbst, in der nächsten Spielzeit zum Beispiel das berühmte Musical „Anything goes“. Überhaupt ist für den Regisseur Peters das Musiktheater die größte Leidenschaft. Da kommt auf die hiesigen Theaterbesucher noch so manch Überraschendes zu! Denn der Musikgeschmack des Intendanten sprengt mühelos bildungsbürgerliche Grenzen – und reicht von barocker Zartheit bis zur Klangkeule aus Schwermetall.

Sie sagten beim letzten Stadtgeflüster-Interview vor zwei Jahren, Sie seien mit fliegenden Fahnen nach Münster gekommen. Hängen die mittlerweile ein wenig auf Halbmast?
Nein, ganz und gar nicht. Ich mag die Stadt sehr gern, auch wegen ihrer Größe. Man bekommt relativ leicht Kontakt. München, wo ich zuvor war, ist eben eine Millionenstadt – allerdings komme ich soeben aus China, da weiß man erst wirklich, was Metropole bedeutet! mehr... Interview Münster Sept. 2014



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