Theater ist Ort der Unterhaltung und der Auseinandersetzung, der Verzauberung, der Utopien und der Identitätsstiftung, ist Ort der Wahrnehmung gesellschaftspolitischer Zusammenhänge und Zukunftswerkstatt. Theater ist Ort der Suche nach Werten und Orientierung und Spiegel seiner Zeit und natürlich ist Theater immer Ort des gemeinschaftlichen Erlebnisses.

Das Theater Münster ist alles in einem! Als größte und traditionsreichste Kultureinrichtung Münsters sieht das Theater Münster mit seinen fünf Sparten – Musiktheater, Schauspiel, Tanztheater, Konzert und Jungem Theater – die Vermittlung dieser Vielfalt an ein breites Publikum als seine zentrale Aufgabe. In jeder Spielzeit stehen im Großen Haus, im variablen Kleinen Haus und in der neuen Spielstätte U2 rund 30 Premieren und 600 Vorstellungen auf dem Spielplan. Sie bilden ein breit gefächertes Programm aus Bekanntem und Neuem – angefangen von den großen Klassikern bis hin zu Ur- und Erstaufführungen.

MusikTheater
Oper, Operette oder Musical – das Musiktheater Münster zeigt unterschiedlichste Werke von der Barockzeit bis zur Gegenwart. Die Oper der großen Gefühle, der Sinnlichkeit und Poesie, steht neben Operetten und Musicals mit pointiertem Witz und heiterer Ironie. Tradition trifft auf Moderne, unmittelbare Empfindung auf tiefere Wirklichkeit, all das erzählt in facettenreichen Regiehandschriften und dargeboten von einem exzellenten Sängerensemble, einem spielfreudigen Chor und dem erstklassigen Sinfonieorchester Münster.

Schauspiel
Das Schauspiel Münster steht für herausforderndes, zeitrelevantes Theater und für Unterhal- tung, für Spielfreude, Energie und Leidenschaft. Mit einem hoch gelobten, kraftvollen und vielseitigen Ensemble werden die großen Stoffe der Weltliteratur mit modernen ästhetischen Mitteln erzählt. Neue Dramatik, junge Autoren, Themen und Stoffe der Gegenwart werden aufgespürt, entwickelt und in Ur- und Erstaufführungen auf die Bühne gebracht.

Tanz
Mit dem TanzTheaterMünster lässt sich die faszinierende Vielfalt des zeitgenössischen Tanzes entdecken. Das international zusammengesetzte Ensemble überzeugt ebenso mit der choreografischen Interpretation literarischer Vorlagen, wie auch mit abstrakten Tanzabenden. Daneben präsentieren sich die Tänzer in Gastchoreografien, in eigenen Stückentwicklungen und wissen immer mit ihren technischen und darstellerischen Fähigkeiten zu begeistern.

Junges Theater
In enger Zusammenarbeit mit den anderen Sparten des Theaters führt das Junge Theater Münster die jüngsten Zuschauer lustvoll und auf hohem Niveau in die abenteuerliche Welt des Theaters ein. Auf dem Spielplan stehen Märchen- und Mythenstoffe neben zeitgemäßen Bearbeitungen von Klassikern sowie Stückentwicklungen, Uraufführungen und Stücke junger Autoren, die sich mit der Lebenswelt der jungen Zuschauer beschäftigen.

Konzert
Mit rund 80 Konzerten präsentiert das Sinfonieorchester Münster Jahr für Jahr ein vitales, höchst farbiges und mitreißendes Programm. Neben den großen sinfonischen Werken aus mehr als drei Jahrhunderten findet sich auf dem Programm die ganze musikalische Vielfalt von Kammerkonzerten über Kinder-, Chor- und Kinokonzerte bis zu großen Open-Air-Veranstaltungen.

200.000 Zuschauer­
600 Vorstellungen ­
350 Mitarbeiter ­
30 Premieren ­
5 Sparten ­
1 Theater

 

Saisonbeginn 2017/18 im Theater Münster „Ein bisschen wagemutiger“

 Dr. Ulrich Peters, der gestern seine Mitarbeiter im Kleinen Haus begrüßte, freut sich auf die Spielzeit und über seine größte Besucherzahl in der vergangenen Saison. Foto: Gerharz/Berg

Münster - 

Die Marke von 200 000 Besuchern hat das Theater Münster zuletzt zweimal überschritten. So soll es auch in der neuen Spielzeit weitergehen. Vieles ist neu am Theater, das jetzt 40 neue Mitarbeiter begrüßte. Unter ihnen der neue Generalmusikdirektor Golo Berg.

Ulrich Peters strahlt vor Freude, als er wenige Tage nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub zum Marktplatz geradelt kommt. Freude über die technisch modernisierte Beleuchtung im Theater, über die neue Probebühne im Jovel, nicht zuletzt über seine erfolgreichste Spielzeit mit 205 000 Besuchern. Und eine große Portion Vorfreude kommt dazu: „Nach fünf Jahren starte ich jetzt in meine zweite Amtszeit.“

Auch das Leitungsteam um den Intendanten – also Schauspieldirektor Frank Behnke und Tanztheaterchef Hans Henning Paar – geht in die Vertragsverlängerung. Nur einen gewichtigen Wechsel gibt es: Auf Fabrizio Ventura folgt Golo Berg als Generalmusikdirektor. „Ventura war der GMD, mit dem ich mich am besten verstanden habe“, erzählt Peters über seine verschiedenen Stationen als Intendant. „Es tut mir so leid für ihn, dass Giorgio Battistellis Oper ,Orchesterprobe‘, die er sich zum Abschied wünschte, so schlecht besucht war.“ Womöglich hatte das Stück am Ende der Spielzeit einfach zu starke Konkurrenz durch einen Hit wie den „Freischütz“, vielleicht hatte auch der Stoff nach einem unbekannten Fellini-Film nicht so eine Zugkraft für Münsters Publikum wie beispielsweise „Joseph Süß“ von Detlev Glanert. Offenbar setzen sich in Münster auch unbekannte Stücke mit historischem Hintergrund durch starke Mund-Propaganda durch. „Im Schauspiel war ,Revolution‘ ein solcher Erfolg: toller Stoff, tolle Geschichte!“ Dazu passt, dass die Vortragsreihen im Theater immer gut besucht sind. Peters schätzt das Publikum als „bildungsbeflissen“.

Da er trotz des „Flops“ eine so gute Bilanz vorweisen kann, will der Intendant im Musiktheater künftig „etwas wagemutiger“ sein – die Moderne werde ohnehin immer einen Platz haben. „Every­man“ mit Metal-Band und „Angels in America“ von Peter Eötvös“ dürften die nächsten Herausforderungen sein. Für das Beethoven-Jahr 2020 denkt Peters über eine mögliche Uraufführung nach. Andererseits will er mit Golo Berg natürlich auch das große Opernrepertoire pflegen. Bei Puccini und Strauss gibt es bloß ein kleines Problem: „Ich selbst bin kein so großer Fan von Puccini – und Golo Berg mag Wagner viel lieber als Strauss.“ Was aber nicht bedeutet, dass ein „Rosenkavalier“ oder eine „Ariadne“ ausgeschlossen sind. Und da die jetzt beginnende Saison mit einem großen Schauspiel-Aufschlag rund um die „Katze auf dem heißen Blechdach“ eröffnet wird, könnte im Jahr darauf womöglich eine „Butterfly“ den Beginn der neuen Spielzeit einläuten.

Gegen Wagner, speziell gegen einen „Ring“, sprechen natürlich auch die finanziellen Möglichkeiten. „Mit einer Million Euro mehr – die es zu Beginn meiner Intendanz noch gab – könnte man natürlich mehr machen“, betont Peters. Zwar ist er sehr froh über den Managementkontrakt, durch den alle Tariferhöhungen bis zum Ende seiner Amtszeit durch die Stadt abgesichert sind. „Aber wie in der Vergangenheit sind wir von möglichen Konsolidierungsbeschlüssen natürlich nicht ausgenommen.“

Um Geld geht es natürlich auch, wenn Peters von seinem Misserfolg spricht: „Ich wollte ein schönes Foyer fürs Kleine Haus, es gab ja schon tolle Pläne im Zusammenhang mit dem Theatertreff. Wenn es dort einen Ganztagesbetrieb gäbe, der die Theaterkantine einschließt, säßen Künstler und Publikum zusammen: Das würde eine noch engere Verbindung schaffen. Für Gast-Künstler ist die Situation besonders schwierig, denn da sie niemanden hier kennen wissen sie auch nicht, wo sie nach den Vorstellungen noch hingehen können.“

Jetzt aber ist Ulrich Peters erst einmal gespannt, wie sich der umgebaute Eingangs- und Kassenbereich darstellen wird. Und nutzt die Tage vor Theaterfest und Saisoneröffnung, um noch private Besucher zu den Skulptur-Projekten zu führen. Dass seine erste eigene Inszenierung der kommenden Spielzeit, Verdis „Don Carlo“, eine womöglich wagemutige Ergänzung haben soll – darüber will Peters dann Anfang Oktober sprechen.

 

Theater Münster gewinnt in Kritikerumfrage

Eine erste freudige Überraschung zum Spielzeitstart bereitete uns das Theatermagazin   Die Deutsche Bühne. Bei der Kritikerumfrage zur Saison 2015/16 wurde das Theater Münster erneut in der Rubrik »Beste Gesamtleistung« genannt.

Außerdem erwähnt wurde die Regie von Kathrin Mädler für DER STELLVERTRETER sowie die Bühnenbilder zu DIE VERSCHWÖRUNG DES FIESCO ZU GENUA von Frank Behnke / Bernhard Niechotz und DEUTSCHE KONVERTITEN von Ariane Salzbrunn.

 

 

Rückblick und Ausblick 

Die kommende Spielzeit 2016/17 wird Ihre fünfte gemeinsame Spielzeit sein. Wo waren rückblickend die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?

Peters Als Generalintendant habe ich auf eine große künstlerische Eigenständigkeit der Sparten gesetzt und diese Freiheit hat sich als wichtiger Motor für das kreative Potenzial des ganzen Hauses herausgestellt. Das Theater Münster ist heute künstlerisch so stark wie schon lange nicht mehr. Der Schwerpunkt im Musiktheater lag, wie geplant, auf der Vielfalt. Wir wollten – und wollen auch künftig – zeigen, welch großartige und unterschiedliche Opernwerke in 400 Jahren Operngeschichte  entstanden sind. Daneben ist uns die Pflege der klassischen Operette und die Wiederetablierung des Musicals in Münster ein Anliegen, wobei wir beim Musical bewusst auf eher unbekanntere Werke setzen.

Ventura Neben punktuellen Spitzen im Programm ist uns die Kontinuität in der Qualität wichtig, sowohl was hochkarätige Stars unter den Solisten und Gastdirigenten angeht als auch junge aufstrebende Talente. Als Highlight im Konzert empfand ich neben vielem anderen unsere zyklische Aufführung der Beethoven-Sinfonien in einer einzigen Spielzeit: ein Markstein für die Qualität eines Orchesters!

Behnke Im Schauspiel haben wir gezeigt, wie lebendig, leidenschaftlich und der Gegenwart zugewandt Theater sein kann. Viele neue Stücke, Erstaufführungen und herausfordernde Lesarten von Klassikern haben das Programm bestimmt. Und natürlich haben wir auf ein starkes, spielfreudiges und verjüngtes Ensemble gesetzt. Ganz besonders stolz bin ich auf die kontinuierliche Zusammenarbeit mit Tuğsal Moğul, der mit seinen klugen Rechercheprojekten erheblich zu der überregionalen Wahrnehmung unserer Sparte beigetragen hat.

Heße Das Junge Theater hat von dieser künstlerischen Freiheit sehr profitiert und ein eigenes Profil mit hohem künstlerischen Anspruch entwickelt. Von Beginn an haben wir uns das Ziel gesetzt, ein Theater für alle Menschen in Münster zu sein. Daher haben wir schon in der ersten Spielzeit das Einstiegsalter unseres Publikums deutlich nach unten gesetzt, denn wir stehen auf dem Standpunkt: Niemand ist zu jung, um etwas Schönes zu erleben.

Paar Für mich ist eigentlich jede Produktion ein Schwerpunkt. Ich versuche für mich und das Publikum immer wieder neue und spannende Herausforderungen zu finden. In den vergangenen Spielzeiten ist eine extrem ausdrucks- und technikstarke Tanzkompanie entstanden, mit der zu arbeiten eine Freude ist.

Das war in der Tat ein sehr vielfältiges Programm. Was werden die Akzente und Höhepunkte der neuen Spielzeit sein?

Peters Im Musiktheater denken wir ja sehr zyklisch, d.h. es ist wieder Barock- und Musical-Spielzeit mit Händels ALCINA und dem in Deutschland fast völlig unbekannten Krimi-Musical CURTAINS. Spannend für unser Publikum wird sicher auch der Shakespeare-Schwerpunkt über drei Sparten hinweg. Hans Henning Paar zeigt seine Tanzversion von ROMEO UND JULIA, das Schauspiel die Komödie WIE ES EUCH GEFÄLLT und ich selbst inszeniere Verdis Shakespeareadaption FALSTAFF.

Heße Unser Spielplan 16/17 zeigt das Theater als Ort der Möglichkeiten. Mit Stücken wie ALS MEIN VATER EIN BUSCH WURDE möchten wir Kinder und Jugendliche zu neuen Blickwinkeln ermutigen. Wir möchten erfahrbar machen, dass wir alle Teil einer großen Geschichte sind. Weil diese Geschichte von Menschen erzählt und gemacht wurde, können auch wir sie mit unseren Visionen und unserem Handeln in der Gegenwart beeinflussen.

Paar Ein Höhepunkt ist, dass die Kompanie auch mit hervorragenden Gastchoreografen neue Stücke erarbeiten kann. In der nächsten Spielzeit freuen wir uns auf Gustavo Ramírez Sansano und natürlich auf die 4. TANZGALA zugunsten der Münsteraner AidsHilfe.

Behnke Mich bewegt im Moment die erschreckende Tatsache, wie viele Menschen an unserer Demokratie und den Errungenschaften von Europa zweifeln. Im Spielplan des Schauspiels machen wir daher einige Exkurse in die Geschichte Europas. Wir gehen mit Hebbels NIBELUNGEN an den Anfang der europäischen  Zivilisationsgeschichte, zeigen in dem atemberaubenden Stück LA RÉVOLUTION – WIR SCHAFFEN DAS SCHON von Joël Pommerat, wie in der französischen Revolution unsere moderne Demokratie entstanden ist und setzen uns in der Uraufführung von John von Düffels MARTINUS LUTHER kritisch mit der Reformation auseinander. Also ganz große Themen und Stoffe.

Ventura Als lockeren thematischen Faden haben wir uns Italien vorgenommen, genauer: die italienische sinfonische Musik. Mit Italien verbindet man hierzulande in erster Linie Oper und übersieht dabei meist, dass auch eine Fülle großartiger Sinfonik des 19. und 20. Jahrhunderts von dort stammt: von Alfredo Casella zum Beispiel, oder von Giuseppe Martucci – zu Unrecht wenig bekannten Komponisten. Diese gravierende Repertoire-Lücke möchte ich in meiner letzten Saison schließen, neben Werken der Klassiker wie Schubert, Brahms, Bartók oder Schostakowitsch.

Wie schnell kann und sollte ein Stadttheater auf tagesaktuelle Themen reagieren?

Heße So schnell wie möglich. Dank Stückentwicklungen, Auftragsarbeiten und Uraufführungen gelingt uns das ja richtig gut in Münster. Das Theater ist einer der letzten Orte, an dem Menschen wirklich anwesend sein müssen, um etwas zu erleben. Darin sehe ich die große Chance, über die Vorstellungsbesuche hinaus mit jungen und älteren Menschen ins Gespräch zu kommen.

Peters Im Musiktheater ist das allein schon durch die langen Planungsvorläufe schwieriger. Ich setze da aber ohnehin eher auf die zeitlose Kraft der großen Stoffe und darauf, dass ein fantasiebegabtes Publikum die Übertragung in unsere Zeit durch den behutsamen Anstoß des Regisseurs selber leistet.

Behnke Die persönliche Auseinandersetzung mit Politik und Gesellschaft fließt bei uns selbstverständlich immer stark in die Inszenierungen und den Spielplan ein. Theater ist Gegenwartskunst, aber man sollte sich auch nicht von der Tagesaktualität überrollen lassen, denn Theater ist eine Kunst, in der die Entschleunigung wichtig ist. Man kann im Theater reflektiert durch die Köpfe von klugen Autoren anders, poetisch überhöht, auf die Wirklichkeit blicken.

Wo steht denn das Theater Münster heute nach den schmerzlichen Kürzungen in der Spielzeit 2012/13? Wie ist die Besucherresonanz und wie die finanzielle Lage?

Peters Sie sehen heute einen ziemlich glücklichen Intendanten. Alle im Haus haben kreativ und tatkräftig dazu beigetragen, die Kürzungen für die Zuschauer nicht spürbar werden zu lassen. Doch das war und ist ein Kraftakt. Wir haben mehr gespielt mit weniger Personal und zu unser aller Freude ist die Besucher- und die Einnahmesituation im Moment sehr positiv …

Ventura … wobei die Einsparungen uns schon empfindlich getroffen haben und uns in der Planung einschränken.

Behnke Auch im Schauspiel konnten wir die Kürzungen nur durch Mehrbelastung und geringeres Gagenniveau im Ensemble kompensieren.

Ventura Alle Abteilungen unseres Theaters arbeiten permanent an der Grenze ihrer Möglichkeiten. Einsparungen in der Kultur treffen nicht in erster Linie die Kulturschaffenden, sondern die gesamte Öffentlichkeit.

Behnke Die positive Resonanz motiviert natürlich. Die Besucherzahlen machen uns alle glücklich. Es gibt viele ausverkaufte Vorstellungen.

Feldmann Aktuell rechnen wir bis zum Sommer 2016 tatsächlich mit rund 16.000 Besuchern mehr als in der vergangenen Saison. Auch die Abozahlen steigen. Das ist großartig. Ganz wichtig waren für uns die 100%ige Übernahme der Tarifsteigerungen durch die Stadt Münster und auch der Managementkontrakt bis einschließlich der Spielzeit 2017/18, die uns eine gute Finanzgrundlage und Sicherheit geben. Die Kürzungen, Stichwort 700.000 Euro, waren schmerzlich, sie konnten jedoch von uns selbst bestimmt werden, so dass ein Konsens möglich war.

Sie sind alle Nicht-Münsteraner und haben bereits an verschiedensten Orten gearbeitet. Was sind Ihre Erfahrungen mit dem Münsteraner Publikum?

Feldmann Das Spezielle an den Münsteraner Zuschauern ist sicherlich, dass man bei zunächst unbekannten Stücken abwartet, sich umhört und quasi mit den Füßen abstimmt – und dann auch gern nochmals mit Freunden in das gleiche Stück geht. Das Münsteraner Publikum ist meiner Meinung nach generell offen für neue Theater- und Musikformen.

Ventura Wir haben schnell durch die Qualität unserer Konzerte das Vertrauen der Münsteraner gewonnen. Auch unser Konzept mit Konzerten in anderen Formaten und an anderen Orten in Kirchen, Kinos oder am Aasee zu spielen hat das Publikum fantastisch mitgemacht.

Paar Die Münsteraner sind in den Tanzvorstellungen jedenfalls viel begeisterungsfähiger als ihr Ruf es vermuten lässt.

Behnke Das Publikum hat sich wie auch unser Theater verändert. Heute haben wir ein toll durchmischtes Publikum aus allen Altersstufen. Besonders erfreulich ist der gestiegene Anteil von studentischen Zuschauern. Ich freue mich bei Publikumsgesprächen immer über das Niveau der Diskussion. Das ist nicht in allen Städten so. Es gibt aber auch Leute, die wissen wie es geht und die sich nicht gern überraschen lassen wollen. Da weht nicht weit von hier, im Ruhrgebiet, ein ganz anderer Wind.

Welche Wünsche bleiben denn noch für die Zukunft offen?

Peters Zunächst gilt es, alle fünf Sparten des Theaters langfristig zu sichern, ebenso wie das hohe künstlerische Niveau, das unsere Besucher gewohnt sind und erwarten. Hierfür brauchen wir verlässliche Partner in der Politik, die auch in Zeiten knapperer Kassen um den Wert und die Bedeutung von Theater in unserer Gesellschaft wissen.

Paar Mehr Vorstellungen. Es ist manchmal wirklich bitter, wie schnell eine neue Produktion hier abgespielt ist.

Feldmann Das ideale Theater Münster hätte ein Budget von mind. 30 Mio. Euro, eine Drehbühne mit voll ausgebauter Untermaschinerie, Klimaanlage im Großen und im Kleinen Haus, 24 Stunden lang Gastronomie ... und einen Konzertsaal gegenüber …

Peters Aber im Ernst, wir dürfen nicht müde werden Ideen zu entwickeln. Dazu gehört für mich z. B. ein ganz neues Konzept und eine bauliche Veränderung für das Foyer des Kleinen Hauses und unseren Theatertreff. Er könnte und müsste zu einem lebendigen Ort der Kommunikation und Begegnung von kulturinteressierten Bürgern, Zuschauern und Künstlern werden, möglichst den ganzen Tag über und nicht nur vor und nach den Vorstellungen. Und damit das Theater zu so etwas wie dem größten kulturellen Kommunikationszentrum der Stadt wird, muss es sich weiter öffnen, Angebote in unterschiedlichste Richtungen machen und sich nicht nur auf das Kernprodukt Abendunterhaltung konzentrieren. Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg.

  

HÄNDEL UND HEAVY METAL

Arndt führt ein Theatergespräch mit Dr. Ulrich Peters

Ein milder Augustmorgen in Münster. Die große Flut liegt noch nicht lange zurück. Auch das Stadttheater wurde mächtig nass – drinnen im Orchestergraben ackern die Heiztrockner, und angeblich ist es heiß wie in der Sauna. Dr. Ulrich Peters hingegen wirkt an seinem Schreibtisch im Obergeschoss ganz cool. Und das, obwohl der Intendant mit vielen Bällen jonglieren muss: Die Reparaturen im Blick behalten, mit immer weniger Geld haushalten, die Mitarbeiter bei Laune und den eigenen Kreativmotor am Laufen halten. Denn natürlich inszeniert Peters auch selbst, in der nächsten Spielzeit zum Beispiel das berühmte Musical „Anything goes“. Überhaupt ist für den Regisseur Peters das Musiktheater die größte Leidenschaft. Da kommt auf die hiesigen Theaterbesucher noch so manch Überraschendes zu! Denn der Musikgeschmack des Intendanten sprengt mühelos bildungsbürgerliche Grenzen – und reicht von barocker Zartheit bis zur Klangkeule aus Schwermetall.

Sie sagten beim letzten Stadtgeflüster-Interview vor zwei Jahren, Sie seien mit fliegenden Fahnen nach Münster gekommen. Hängen die mittlerweile ein wenig auf Halbmast?
Nein, ganz und gar nicht. Ich mag die Stadt sehr gern, auch wegen ihrer Größe. Man bekommt relativ leicht Kontakt. München, wo ich zuvor war, ist eben eine Millionenstadt – allerdings komme ich soeben aus China, da weiß man erst wirklich, was Metropole bedeutet! mehr...Interview Münster Sept. 2014


UMJUBELTE STÜCKE IM THEATER MÜNSTER


MÜNSTER. Das Theater Münster unter seinem neuen Intendanten Ulrich Peters kann zufrieden auf das Jahr 2013 blicken. Höhepunkte der Spielzeit 2012/13 waren die „Frühlingsstürme“, die Oper „Salome" und das Musical „Edwin Drood".
Frühlingsstürme, Frühwerk des damals 27-jährigen Ten­nessee Williams, das seinen Mitstudenten so gar nicht gefiel, war bei seiner deutschen Erstaufführung in Münster ein Hit. Das Premierenpublikum blieb zweieinhalb Stunden lang gebannt am Ball. Der Erfolg hielt auch in den Monaten darauf an - im Juni 2014 steht das Stück nun wieder auf dem Spielplan.
Salome war eine Inszenierung, die von der ersten bis ­zur zur letzten Sekunde gefangen nahm - selbst wenn man die Oper von Richard Strauss, schon oft gesehen hat. Die aufgestaute Anspannung aus 100 Minuten packendstem Psycho-Drama - auf der Büh­ne und im Orchestergraben - entlud sich nicht nur bei der Premiere in Bravo-Rufen und Stehenden Ovationen.
Das Musical Edwin Drood bereitete dem Publikum so viel Spaß wie kaum eine andere Inszenierung der vergangenen Jahre. Am Ende durften die Zuschauer selbst wählen, wer der Mörder und wer das Liebespaar des Abends ist. Der Knaller-Auftakt der neuen Schauspiel-Spielzeit im September war Hamlet: aufwühlend, ergreifend, intensiv. Weiterer Gewinner: das Tanztheater. - Das Nachtweltenspiel Der schwarze Garten erntete bei der Premiere Ende Oktober große Ovationen. Und Mozarts Zauberflöte als Star-Wars-Spektakel war einfach nur galaktisch gut.
Münstersche Zeitung – Jahresrückblick 31. Dezember 2013

Erfreuliche Spielzeitbilanz für das Theater Münster 2012/2013

Das Theater Münster hat in der Spielzeit 2012/2013, der ersten unter seinem neuen Intenden Ulrich Peters, mit rund 186 000 Zuschauern die zweitbeste Besucherzahl der vergangenen zehn Jahre erreicht. Gespielt wurden 652 Vorstellungen und 34 Premieren.
Besondere Auszeichnungen erhielt die Arbeit des Theaters im Spielzeit-Bilanzheft der DEUTSCHEN BÜHNE durch Nennung in den Kategorien:
„Beste Gesamtleistung“
„Beste Leistung Abseits der Zentren“
„Beste Schauspielproduktion“ (DIE RÄUBER)
„Beste Opernproduktion“ (SALOME)
und im Jahresheft von THEATER HEUTE durch Nennungen in den Kategorien:        
„Bestes Bühnenbild“ (DIE RÄUBER)
„Beste Nachwuchsschauspielerin“ (Maike Jütendonk)

OCCUPY THE SKY

von Michael Böhm, Theater der Zeit November 2012

In Münster kämpft der neue Intendant Ulrich Peters mit den Sparplänen der Stadt und für die Rückkehr des politischen Theaters

Ulrich Peters bleibt; und er bleibt freundlich, vorerst zumindest. Trotz des merkwürdigen Willkommensgrußes, den die Stadt Münster ihrem neuen Generalintendanten entbot: ein „Streichkonzert“, dessen Klänge nur unfreundlich stimmen können. Zehn Prozent des Etats der städtischen Bühnen, so forderte die Münsteraner Dezernentenrunde im September, sollen bis 2020 eingespart werden, das sind ca. 1,9 Millionen Euro jährlich. „So eine absurde Situation habe ich noch nie erlebt“, sagt Peters. „Wir sollten hier erst einmal anfangen, gutes Theater zu machen, bevor uns so etwas vor die Füße geworfen wird.“

Kurz nach Peters’ Amtsantritt zur neuen Spielzeit sickerten die Pläne des Stadtrates durch, gerieten zum Thema bei Einwohnern und Presse, irritierten, verunsicherten, verärgerten. Allein durch die Schließung der Sparten Schauspiel und Tanz, so hieß es, könne man das Sparprogramm realisieren. Peters, der nach Stationen am Stadttheater Augsburg und dem Münchener Gärtnerplatztheater nunmehr seine dritte Intendanz beginnt, fühlte sich düpiert. Denn er kam nach Münster, um engagiertes Theater zu machen, eines, das stört, das aneckt, das (wieder) politisch ist. „Ich liebe das Schauspiel“, sagt er, der eigentlich in der Oper zu Hause ist, „es hat ein faszinierendes Quantum an Widerspenstigkeit.“
Peters verweist darauf, was unter anderem schon auf dem Spielplan steht: das Projekt „Münster – Stadt der Sehenden“ etwa, das ein Kommentar zur kommenden Bundestagswahl sein soll, frei nach José Saramagos Roman, in dem die Einwohner einer Stadt, der herrschenden Politik überdrüssig, bei der Kommunalwahl mehrheitlich weiße Zettel abgeben, um sich der Stimme zu enthalten. Oder „Afghanistan“, das Erfolgstück von DC Moore – gezeigt in der neuen Studiobühne U2 – worin der junge englische Autor über religiösen Eifer sinniert, der heutige Kriege entfacht und terroristisch entgrenzt, erzählt in einer unverblümt harten Sprache und verdichtet in zuweilen schockierenden Szenen von poetischer Kraft. Ein Stück, das geradezu nach Münster gehört, wo einst der Westfalische Frieden ähnlichen Glaubenskriegen ein Ende setzte. Das spricht für ein anderes Profil als jenes, das Peters’ Vorgänger Wolfgang Quetes dem Schauspiel verlieh. Der schwärmte von Münsters „Bildungsbürgertum im guten Sinne“, das für das Theater so wichtig sei, und bot viel Traditionelles, Solides, aber kaum Aufregendes. 
Drei Wochen lang jedoch schien es, dass ein neuer künstlerischer Aufbruch gar nicht möglich sei. Erst gegen Ende September besannen sich die Kommunalpolitiker, überlegten, wägten ab, rechneten. Denn Peters, der freundliche Neue, gab sich als streitbarer Intendant: Er verweis auf den kulturellen Schaden, den die Stadt erleiden würde, und auf längerfristige vertragliche Bindungen. Aber er zeigte sich auch kooperativ, bot an, nach Alternativen zu suchen. Nur 1,1 Millionen Euro, so ist vorerst der letzte Stand, muss das Theater nun sparen. Die Hälfte davon hofft Peters ohne Spartenschließung aufzubringen, durch höhere Eintrittspreise und „Outsourcing“ bestimmter Bereiche: „Ich will vom Kantinenessen bis zum Orchesterwart alles durchforsten.“ Bliebe noch die andere Hälfte, die dem jährlichen Etat des Tanztheaters entspricht. Der neue Intendant ist optimistisch, auch das zu erhalten: „Andernfalls wäre für mich hier kein Bleiben mehr“, sagt er freundlich, aber bestimmt.


Bericht WDR über Intendanzbeginn, bitte klicken

NEUER THEATER-INTENDANT
Ulrich Peters setzt sich klar durch

Münster - Die Vorstellungsrunde verlief hochklassig. Am Ende eines langen Abends hatte Ulrich Peters (55) knapp, aber doch klar und vor allem einstimmig die Nase vorn: Der bisherige Intendant des Staatstheaters am Gärtnerplatz in München soll von 2012 an neuer Generalintendant der Städtischen Bühnen Münster werden.

Der Kulturausschuss und der Personalausschuss der Stadt Münster votierten einstimmig für den gebürtigen Stuttgarter, dessen Vertrag in München passend im kommenden Jahr endet. Auch der frühere Aachener Intendant Paul Esterházy (55) und die Baden-Badener Theaterintendantin Nicola May (47) hinterließen vor den beiden Ratsgremien einen guten Eindruck, wie es am Montag nach der rund dreistündigen Sitzung hieß.

Entscheidend war die Tatsache, dass Peters die spannendste Gesamtkonzeption für Münsters Theater als ein ausstrahlungskräftiges Kultur- und Kommunikationszentrum der Stadt erarbeitet und vorgetragen hatte. Der parteiübergreifende Konsens macht die Wahl im Rat der Stadt Münster am 6. April nun zur reinen Formsache. >MEHR